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| Das Schloss von Kakegawa im Hintergrund... |

Ein frischer Frühlingshauch weht heute durch Hamamatsu und erleichtert mir den Einstieg in einen doch sehr groß gewachsenen Berg an überfälligen Erzählungen und Bildern die sich seit meinem letzten Eintrag an dieser Stelle angesammelt haben. Wie so oft ergeben die guten Vorsätze, welche diese Aufzeichnungen anspornten in ihrer geballten Masse nach einem Monat ein Hindernis, dass sich nicht so leicht überspringen lässt. Beginnen möchte ich gern mit einem kleinen Ausflug nach Kakegawa, welchen ich in der ersten Februarwoche mit dem
Brasilianer Rodrigo unternahm.
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| Natürlich verkleiden sich Japaner auch gern und stellen Kämpfe nach. |
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Wir hatten vor das gute Winterwetter für einen sonntäglichen Spaziergang zu nutzen und machten uns daher auf, dass bekannte Ninja-Schloss zu besuchen und auch die dort befindliche Ausstellung japanischer Umzugs-Trophäen zu besichtigen. Der Tag war kühl doch die Sammlungsstücke darunter wunderschöne Kimonos und Masken (wie oben zu sehen) entschädigten ungemein. Bereits am darauf folgenden Wochenende sollte es mit der einheimischen Kultur weitergehen. Ich hatte mich mit Caro nach Nagoja begeben und... was schaut man sich dort an? Natürlich auch das Schloss.

Durch die Vielzahl an japanischen Schlössern muss ich zugeben inzwischen etwas gelangweilt einherzuschlendern wenn es mal wieder zu einem der unzähligen Verteidigungs- oder Prunkpaläste geht.
Die ebenfalls am Wetter gefallen findenden Japaner sind da wesentlich abgehärteter als ich. An dieser Stelle trifft das wohl bekannte Vorurteil völlig zu: Japaner sind die geborenen Touristen.
Nach der Kulturportion gab dafür dann eine Erholungspause im nahen Park, bevor wir durch eine, für japanische Verhältnisse sehr angenehm gestaltete Fußgängerzone, zum modernen Zentrum der Stadt wanderten. Nagoya kann man leider nicht unbedingt zu den absoluten touristischen Höhepunkten des Landes zählen. Weder was die traditionelle noch die moderne Kultur angeht gibt es hier Einzigartigkeiten die deutlich über das japanische Standardmaß hinausgehen. Man könnte wohl sagen, dass die Stadt noch ein wenig futuristischere Gebäude und Komplexe aufweisen kann als die meisten Stadtteile Tokyos, hat damit aber auch schon fast alles Wichtige erwähnt.

Nur ein weiterer Fakt sollte auf jeden Fall noch genannt werden: Nagoya ist liegt ganz nah an der kleinen aber durch ihren Namen bereits weltweit bekannten Stadt Toyota, in welcher Herr Toyoda (ja, Er wurde tatsächlich mit D geschrieben) den Grundstein für das global agierende Fahrzeugunternehmen legte und in welcher auch heute noch jeder Einwohner in irgendeiner Weise mit dieser Firma verbunden ist.
Nachdem ein Nachmittag für den Besuch der wichtigsten Stellen der Innenstadt und eines Buchladens deutlich ausgereicht hatte, machten wir uns am nächsten Tag zum Hafen auf um dort weitere Eindrücke zu sammeln. Was soll ich sagen?

Ein Hafen ist ein Hafen, ist ein Hafen... Es gab einen historischen Eisbrecher zu sehen und ein Aquarium, die aber so wenig mit Nagoya zusammenhängen dass ich mir Bilder an dieser Stelle erübrige und die Zeilen nutze um zu berichten das Caro und ich einige Kilometer zu Fuß zurücklegten und munter über Plagiatsaffären, wissenschaftliches Schreiben und ähnliches diskutierten (spätestens jetzt ist auch das Datum des Ausflugs völlig klar) und nachdachten bis wir dann den nächsten Buchladen gefunden hatten. Nun, der nächste Schritt liegt nahe: Caro schmökerte und ich guckte mir die Sammlung gebrauchter japanischer DVDs an.
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| Der Hafen von Nagoja (und zwei Menschen) |
Soweit so gut könnte man sich denken, doch nachdem wir den Laden verlassen hatten folgte ein absolutes Highlight. Damit meine ich nicht die anschließende S-Bahn-Fahrt sondern unser nächstes Ziel. Die Eisenbahnausstellung der japanischen Eisenbahngesellschaften. Dort gab es so viele interessante und schöne Lokomotiven, Waggons, Modelle und Signalanlagen zu sehen, dass ich es übers Herz bringen musste Caro, die zunächst noch tapfer versuchte Interesse zu zeigen auf einer Bank mit ihren (wahrscheinlich wohlweislich besorgten Büchern) allein zu lassen, um mit aller Ruhe und größtem Enthusiasmus der Technik zu frönen.

Dem interessierten Leser zeige ich auf Nachfrage gern meine Schnappschüsse dieses Festes der Sinne. Hier nur ein paar ausgewählte Schmuckstücke. Beispielsweise eine Baureihe 0 (rechts im Bild) und davor der Nachfolger die Baureihe 100, welche mit 220km/h 1964 schon schneller fuhren als so mancher ICE derzeit. Natürlich wurden neben diesen Arbeitstieren auch Raritäten gezeigt wie beispielsweise der JR-Maglev MLX01. Eine Magnetschwebebahn. Sozusagen das Pendant zum deutschen Transrapid, welchen der Maglev jedoch mit 80 km/h schnelleren 581 km/h ziemlich alt aussehen lässt.
Die Studie rechts im Bild kam übrigens nie zum Einsatz im Personenverkehr, sondern wurde sozusagen nur fürs den Test und das Museum gebaut.
Und wo ich gerade über Geschwindigkeiten schwafele bin ich auch schon beim nächsten Ausflug, der sich nur 2 Tage später anschloss.
Lange habe ich dass hier schon angekündigt und ebenso lange habe ich mich auch selbst drauf gefreut. Es ging in den Tsugaike kohgen-Nationalpark, welcher der ganzen Welt wohl eher als das Austragungsort der olympischen Winterspiele von 1998 bekannt ist. Auf der Fahrt dorthin machten wir nocheinmal Halt in Matsumoto, wo ich einen guten Monat früher bereits mit Caro war.


Seitdem hatte es nochmal deutlich Neuschnee gegeben und im Schloss wars noch ein bisschen kälter geworden als schon beim letzten mal.

Am nächsten Tag gab es dann am Vormittag eine Einführung ins Ski-fahren. Der Skilehrer mit dem ich mich sehr schnell sehr gut verstand, sagte mir aber schon nach 3 Stunden, dass ich die Lerngeschwindigkeit der Gruppe nicht weiter erdulden müsse. Die beiden Inder und vor allen der Indonesier hatten doch deutliche Probleme sich auf dem Ski zu halten. Und ja, ich meine zunächst nur einen...Es wurde mir deshalb frei gestellt die Beginner-Routen selbstständig zu erkunden und das Bremsen und Wenden sozusagen durch ausprobieren zu erlernen. Und schon nach kurzer Zeit probierte ich mich dann auch an schwierigeren Strecken.
Die Landschaft war zusätzlich zur neuen sportliche Erfahrung ein absoluter Hochgenuss. Am nächsten Morgen nutze ich dann die 4 freien Stunden um den Ein-einhalb Tagespass, den sich ein Chinese gekauft hatte, der aber schon nach den ersten beiden Stunden am ersten Tag keine Lust/Kraft mehr hatte, einzulösen und begab mich nochmals auf die Piste. Das Wetter war leider über Nacht umgeschlagen und auch meine Entscheidung "Ich fahre einfach die 21 Minuten mit der Seilbahn hoch und dann den ganzen Berg..." war nicht sehr weise. Die folgenden 30 Minuten in Gedankenschnippseln und in aller Kürze:
Och guck 2600m, is ja doch höher als gedacht... Aber wenn die Japaner das können... Auf gehts... Mann is das steil... Angst! ... schwierig... puuhh... eieiei... AH. Glück gehabt... juhu. bin unten. Pah... war ja easy.
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| Von der Seilbahn aus hatte man einen wunderbaren Blick über die japanischen Alpen (die heißen wirklich so) |
| - unten kann man auch die Anfänger-Piste sehen |

Zurück in Hamamatsu hatte mir Yuta, ein Japaner der versucht Deutsch zu lernen und den ich über Rodrigo kenne, vorgeschlagen eine Brauerei zu besichtigen. Das ganze sollte kostenlos sein und an einem Werktag stattfinden. Er wollte gern einen Termin für die Brauerei des (meiner Meinung nach) genießbarsten japanischen Bieres (Sapporo) reservieren. Leider musste er mich am nächsten Tag anrufen und mir mitteilen dass Sapporo keine Gratis-Führungen mehr anbot. Um das ganze aber nicht ausfallen zu lassen bat ich ihn doch zu versuchen einen Termin bei Yamaha zu reservieren. Und tatsächlich dass war kein Problem, sondern zwei Tage später gings schon los.


Die große Grand-Piano (Flügel-) Fabrik befindet sich in Kakegawa. Nachdem Yuta angekündigt hatte mit einem deutschen Freund zu kommen, wurde dort extra für mich sogar die deutsche Flagge gehisst und schon konnte die Führung starten. Leider ist es nicht erlaubt den schwierigen Herstellungsprozess zu fotografieren. Ich kann einen Besuch aber auf jeden Fall empfehlen. Nicht nur dass man kostenlos einen Einblick in dieses komplizierte Handwerk bekommt, bei welchem die Menschen täglich tausende Töne korrekt einstellen müssen und jeden Flügel exakt an die Besonderheiten des Holzes einrichten aus dem er hergestellt wird, nein auch die Abläufe in einer japanischen Fabrik zu sehen in der mehr als 300 Menschen arbeiten war sehr interessant.
Beispielweise hängt dort über jedem Arbeitsplatz eine Uhr, welche die Zeit angibt bis zu welcher man fertig sein muss um den Ablauf nicht zu gefährden. Die automatische Baugruppenlogistik wurde durch autonome Transportroboter erledigt, welche jeweils mit eigenen Signalmelodien im Gebäude unterwegs waren. Neben dem HIntergrund-Klimpern, welches durch das Einstellen der Klaviatur sowieso im Gebäude vorherrschte, fuhren also auch kleine Autos ohne Fahrer umher, die wahlweise "Morgen kommt der Weihnachtsmann" "Muss i denn muss i denn" oder "Weiße Rosen aus Athen" im 8 Bit Sound wiedergaben.

Eine besonders große Freude machte mir die wirklich sehr aufwändig gestaltete Präsentationsfläche auf der man nicht nur die Wirkungsweise sondern auch die Herstellungsverfahren, das Stimmen und die Geschichte nachvollziehen konnte. Außerdem gab es die Möglichkeit an vier völlig gleich gebauten Flügeln, bedeutet am selben Tag mit selber Form und gleichem Material gefertigt, die Unterschiede im Klang zu testen, die sich durch die einzigartige Faserung jedes Holzstücks ergeben. Alles in allem ein sehr gelungener Ausflug. Ich werde mich wohl in diesem Monat bei Yuta revanchieren, indem ich mit ihm ein deutsches Gericht koche.
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| Das Essen war zusätzlich ein Ehrenessen für Inami-sensei | | | |
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| und Ono-sensei (rechts und links im Bild) |
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| die zum Prof. ernannt wurden. |
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Und damit bin ich auch schon beim nächsten Ereignis. Zwei Tage später verteidigten die jüngeren Forscher unseres Labors ihre Bachelorarbeiten.
Für mich bedeutete dies, dass ich im Sinne der Höflichkeit, ebenso wie die gesamte Laborgruppe, 7 Stunden in einem Hörsaal verbrachte, indem alle 15 Minuten ein anderer Japaner auf Japanisch einen Vortrag über seine Arbeit hielt, dem ich natürlich nicht im Mindesten folgen konnte und (um peinliches Schweigen im Saal zu vermeiden) auch nicht in Englisch nachfragen konnte.


Als Belohnung für die, soweit ich dass an den Bildern beurteilen kann sehr guten Forschungsleistungen und für mich als Belohnung dafür dass ich in den 7 Stunden nicht vor Langeweile gestorben bin, gab es dann am Abend das obligatorische Festessen. Serviert wurde eine Mischung aus asiatischer und italienischer Kost.
Und natürlich gab es zum Abschluss wie immer ein Gruppenfoto.
Den Abend setzten die Eingefleischten dann im Labor fort, die Bilder sind aber in die Rubrik "nicht fürs Internet" einzustufen.
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| mit Yuta im Elektroshop in Akihabara |
Am letzten Wochenende hatte Yuta frei und wir überlegten uns mal einen gemeinsamen Auslug zu machen, der sich über zwei Tage erstreckt. Zunächst war geplant zum Fuji zu fahren, aber da ich dort schon in der nächsten Woche bin, überredete ich Yuta mit mir Tokyo zu besuchen und gleichzeitig Caro zu treffen. Wir fuhren also am Freitag los und schauten uns zunächst Akihabara an. Dieser Stadtteil in der Nähe der Tokyo-Station ist bekannt für Manga (Comics), verschiedenste Elektroartikel und eine besonders hohe Ansammlung leicht verschrobener Menschen, die ihr Leben gern mit Computerspielen und anderen Unterhaltungsformaten definieren ( genannt: Nerds)
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| Akihabara |
In Akihabara werden sozusagen die Kindheits-/ oder Erwachsenenträume dieser Nerds Wahrheit und Realität (wenn das Realität ist.?) Überall sieht man übergroße Werbetransparente und Reklamen.
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| japanisches "Schulmädchen" |
Eine Spezialität sind sogenannte "Maid-Kaffees" in denen Japanerinnen in grellen Schulmädchenuniformen als Bedienung arbeiten und in denen man für ein überhöhtes Entgelt die Zeit sozusagen im Comic verleben kann. Yuta war das Ganze als "ordentlichem Japaner" sichtlich peinlich, ich konnte ihn aber nach einigen Anstrengungen doch dazu bewegen mich in ein solches Kaffee zu begleiten. Um wilden Anchfragen gleich vorzubeugen: Ein solches Kaffee ist, zumindest im Normalfall, zwar etwas abgedreht was die Einrichtung, die Preise und vor allem das Verhalten der Bedienung angeht, hat aber nichts mit Erotik oder ähnlichem zu tun. Ich muss jedoch auch zugeben dass, bei dem vielen Geklingel, Gebimmel, Geblinke und Gefunkel dort drinnen, mir der einmalige Besuch ausgereicht hat. Das fällt wohl unter die Kategorie "Muss man mal gemacht haben, reicht dann aber auch.".
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| auf dem Weg nach Yokohama |
Nach einem sehr schönen Abendessen in Ueno mit zwei Freuden Yutas, welche er aus Neuseeland kannte und einer mehr oder weniger unbequemen Nacht in einem Backpacker-Hostel, in dem tatsächlich mal mehr Europäer als Asiaten unterwegs waren, trafen wir uns am nächsten Morgen mit Caro um auf den Skytree zu fahren. Aber dieser Turm scheint wohl eine unerreichbare Stelle zu sein, denn auch beim zweiten Anlauf seit meiner Ankunft war es widerum nicht möglich den Lift zu benutzen. Dieses mal übrigens wegen des zu starken Windes.

Der Wind bließ an diesem Wochenende tatsächlich sehr stark. Das ist aber kein schlechtes sondern ein sehr gutes Zeichen. Dieser besondere und in Japan berühmte Wind, der uns da um die Ohren pfiff hat den Namen "haruichiban", was so viel bedeutet wie "erster Wind des Frühlings".

In Japan beginnt der Frühling für gewöhnlich mit einem starken Wind aus Süden. Und tatsächlich: In den letzten Tagen sprangen die Temperaturen langsam aber kontinuierlich nach oben und am Wochenende werden 17°C erwartet.
Wieder einmal enttäuscht vom Skytree fuhren wir drei gemeinsam nach Yokohama, der zweitgrößten japanischen Stadt, die direkt an Tokyo angrenzt und den wichtigsten japanischen Hafen hat. Dort besichtigten wir einen Ozeanliner, der nach dem zweiten Weltkrieg auch als Versorgungschiff gedient hatte
und machten einen Ausflug ins Chinatown.

Das ist schon irgendwie ein eigenartiger Gedanke, dass es in Japan ein Chinatown gibt. Aber die japanische und die chinesische Kultur unterscheidet viel. Und man mag es kaum glauben aber auch die Japaner haben natürlich ein gewisses Image und ein paar Vorurteile den Chinesen gegenüber. Ein schöner Tag neigte sich dem Ende und Yuta und ich machten uns mit der Bummelbahn auf den Weg zurück.
Im kommenden Monat habe ich vor den Fuji zu besuchen, eine Erholungsreise nach Okinawa zu machen und natürlich stehen die berühmten Hanamis (Kirschblüten gucken) an. Bis bald.
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