Dienstag, 30. Oktober 2012

Zwei Wochen Japan - zu zweit, in der Gruppe und allein

Nachdem in Deutschland sicher auch die Nachtschwärmer zu Bett gehen sitze ich hier bei strahlendem Sonnenschein an einem lauen Dienstag Morgen und bin mir bewusst dass es mir nicht gelingen wird all die interessanten und bewegenden Eindrücke zu erwähnen die ich in den letzten beiden Wochen gesammelt habe. Nachdem meine Arbeitswoche mit einem tollen Frisbee-match beendet wurde brach ich an meinem ersten freien Wochenende in Japan gleich nach Tokyo auf. Meine liebe Caro hatte Geburtstag und diesen wollte ich natürlich gemeinsam mit ihr feiern.
Da wir uns erst am Abend in Tokyo verabredet hatten verbrachte ich meinen Samstag mit einer gemütlichen Zugfahrt durch die japanische Provinz.

Das Fahren mit dem Bummelzug ist nicht nur wesentlich billiger sondern man bekommt auch wunderbare Ansichten der Landschaft kostenlos dazu. In Japan sind das vor allem Reisfelder, Teeplantagen, Berge und Hinterhöfe durch die sich der zug schlängelt. Leider war es nicht so gemütlich wie geplant und die Einsparung von 50% gegenüber dem Shinkasen machte die vierfache Fahrzeit schnell wieder zunichte. Dafür hatte ich die unbezahlbare Gelegenheit die Gelassenheit von japanischen Zugreisenden kennenzulernen. Von Schuljungs, die wagenübergreifend versuchten
Klassenkameradinnen ihre Muskeln zu präsentieren bis zu einem älteren Ehepaar welches sich in mehr als zwei Stunden gegenseitig Fusseln aus den Sachen suchte.
In Tokyo angekommen verspürte ich riesigen Hunger, weshalb ich Caro kurzerhand in den hiesigen Freshness-Burger zum Abendessen einlud.
- ein teures, wenngleich wohlschmeckendes Vergnügen-
Wir beendeten den Abend dann mit einem Abendspaziergang durch Asakusa.

  Am nächsten Tag sollte es in den Zoo gehen. Vorher bummelten wir jedoch durch die Stadt und sahen neben Japanerinnen die sich auf Halloween vorbereiteten unter anderem die Geburtsstätte des Judo und (hier leicht aufzufinden) japanische Kabelkunst.
Garten vor dem Haus von Kodokan-Judo
Höhepunkt des Vormittages bildetete ein Besuch auf dem "Ameyayokocho". Dieser Name bezeichnet den Markt bzw. die Händlerstrasse von Ueno. Und dem Klischee entsprechend gab es dort wirklich alles. Von verschiedensten Meeresbewohnern (lebendig und tot) über dutzende Algensorten und kleine bis große Pilze bis hin zu exotischen Gewürzen und Bekleidung. Leider ließen sich der ungeheure Lärm auf dieser Strasse, welchen die Verkäufer durch ihre Anpreisungen erzeugen und der teilweise betäubende Geruch nicht auf ein Foto bannen.
Wer mehr über diese Erfahrung sehen möchte kann sich aber gern bei mir persöhnlich nach dem aufgenommenen Video erkundigen ;-)
Am Nachmittag fanden wir dann im Ueno-Park den in Japan sehr bekannten Zoo der Stadt, welcher vorallem durch seine Pandas weltberühmt ist. Daher war es auch überall möglich sich mit den Pandas fotographieren zu lassen. In unserem Fall hatten wir Glück das nicht nur das Wetter perfekt war sondern dass die Japaner auch bereit sind jedes "Könnten sie mal bitte den Fotoapparat halten?" dass sie in Europa gestikluieren in gleicher Münze in Japan zurückzugeben.

Blick über den Stadtpark auf das Zentrum von Ueno, Tokyo
 Am Abend besichtigen wir dann dann die Tempelanlage von Asakusa, welche ein absolutes Muss auch auf dem kürzesten Japanaufenthalt darstellt und zusätzlich dazu auch als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. Bilder sagen mehr als Worte:
Strasse vom Tor zum Tempel

Eingangstor des Tempels, der auch für seine großen Lampione bekannt ist

 Zurück in Hamamatsu erwartete mich in der nächsten Woche der Besuch einer Optoelektronikmesse. Aber keine Angst: Ich werde jetzt nicht fachlich sondern zeige lieber unsere Vorbereitung auf dieses Treffen.

Zunächst ein gutes japanisches Cafeteria-Essen: Ramen-Nudeln (links, ja die isst man auch mit Stäbchen), ein "balanced lunch" (Mitte) vor dem bereits Masahiro platzgenommen hat und ein "american food" (rechts).


Ich hatte mich natürlich schön rausgputzt für die Messe, nichts ahnend, dass Mitz vor hatte
mich auf seinem Geschoss in die Stadt zu bringen.
(An dieser Stelle schöne Grüße an Martin - ich habe von der Schwalbe gehört...)
Es war eine rasante und abenteuerliche Fahrt die mir aber viel Freude bereitet hat.
 Selbstverständlich konnte kaum einer der Japaner auf der Messe mehr Englisch als ein gebrochenes "Hello", weshalb mir nach einem Rundgang (der visuell sehr interessant war) schnell langweilig wurde. Aber scheinbar war ich nicht der Einzige der sich freute als es Punkt-Siebzehn-Uhr eine Durchsage gab, dass die Ausstellung für diesem Tag nun beendet sei. Mitz war kaum zu bremsen... der Arme musste dann am nächsten Tag nochmal 8 Stunden die Austellung unseres Labors betreuen und war sichtlich fertig.

Nachdem ich im Rest der Woche noch einige Experminte starten konnte und mir mehrere Vorträge (zum Teil komplett japanisch) angehört hatte, gings dann am Samsatg Abend in die Stadt. Halloween war nun auch in Hamamatsu angekommen, was der hiesigen Bauchtanzgruppe die Möglichkeit gab ihr Talent zur schau zu stellen. Da man die drei leicht vernachlässigen könnte, möchte ich ausdrücklich auf die Musiker links hinweisen, die eine sehr gute Show machten und eigenartiger Weise alle drei wie Johnny Depp aussahen.
Anschließend gings mit Angga (ein sehr
netter Indonesier), seiner japansichen Freundinn und Nate, ebenfalls Japaner in die "No name bar" - dem internationalen Treff von Hamamatsu zum Umtrunk.
Um den Fragen vorzubeugen: Ja, Nate hat Katzenohren auf... Halloween...

Eines der berühmtesten Kostüme ist in Japan selbstverständlich King Kong. Aber auch nicht so selbstverständliche Akteure traten auf den Plan. So waren da beispeilweise ein Graf Drakula, Elvis, Alice im Wunderland und (letztes Jahr noch ein wenig makaber) ein lupenreiner Steve Jobs zu sehen.

Nach dieser ereignissreichen Zeit habe ich das Wochenende ruhig ausklingen lassen. Mit den Bildern vom Hamamatsu-Strand und den (in Japan berühmten) Dünen möchte ich auch meinen Blog ausklingen lassen.
Sicher werde ich nocheinmal zum Strand zurückkehren und nicht allein sein, denn der Sonnenuntergang war wunderschön und die Überlegung dass vom diesem Punkt aus eine halbe Erdumdrehung nur Wasser kommt, bis man wieder Land sieht war sehr ergreifend. Dieser Abend am Pazifik hat mir sehr gefallen und ich habe mir fest vorgenommen mir das Wasser nocheinmal von der anderen Seite aus anzusehen. Bis bald.
Der Pazifik. Er war tatsächlich blau.
Surfen im Sonnenuntergang











Donnerstag, 18. Oktober 2012

Gehen und Ankommen

Ich bin nun fast eine gesamte Woche in Japan und möchte ein paar Zeilen schreiben.

Ich bin mehr und mehr beeindruckt von dem hohen Maß an Höflichkeit, Disziplin und dem Streben nach Perfektion dass viele Japaner um mich herum leitet. Dieses Land nimmt sehr schnell den Anspruch auf Leitung all seiner Bewohner war und zieht auch mich somit in seinen Bann.

Nach einem nicht durchgängig störungsfreien aber doch sehr komfortablen Flug kam ich am 13.10 gegen 18:30 Uhr abends in Tokio an. Die Sonne war bereits untergegangen und mir fiel vorrangig die gegenüber den anderen Ländern über die ich bei Nacht geflogen war, vorherrschende Dunkelheit auf. Während die Städte in den islamischen Gebieten die ich überflogen und in denen ich gelandet war, Helligkeit und Geschäftigkeit ausstrahlten vermittelte Japan eine gleichmäßige Ruhe.
Dieser Eindruck wurde jedoch nach der Landung rasch zerstreut. Ich hatte meine Einreiseerlaubnis dummerweise in Deutschland vergessen, weshalb ich sofort die übergreifende Macht der japanischen Verwaltung erfuhr. Nach nur einem kurzen Telefonat und einer galanten Handbewegung der Kontrolleurin wanderte ich mit meinem Koffer bereits in Richtung Verhörraum. Zum Glück lagen alle Dokumente auch noch einmal in digitaler Form bei den jap. Behörden vor weshalb ich nach einer halben Stunde  bereits in die Ankunftshalle entlassen wurde, in der Caro dankenswerter Weise auf mich wartete.
Ich möchte mich hier ausdrücklich bei ihr bedanken! Ohne ihre umfangreiche Sprachkenntnis und Hilfestellung hätte ich die ersten beiden Tage sicherlich wesentlich schlechter gemeistert. Nach einer kurzer Zeit saßen wir dann auch
schon im nächsten stolzen Verkehrsmittel dieser Reise. Ein Shinkansen der Hikari-Linie der die 230 km mit 7 Zwischenhalten in gerade einmal 2 Stunden meisterte und dabei auf die Sekunde exakt fuhr.

Hier folgt der Werbeblock:
Schaut doch einfach auch mal auf Caros-Blog vorbei!
http://sakura-caro.blogspot.de/


Durch die Anreise am Samstag stand der Sonntag vollständig zur Orientierung und zum Kennenlernen der Stadt zur Verfügung. In Hamamatsu fand gerade ein Musikfestival statt. Die auftretenden regionalen Künstler waren sehr beeindruckend. Ob als Elvis, Folklore-Gitarrist, Gospel-Chor oder Country-Cover... die Japaner sind absolute Musikliebhaber. Leider war die Band auf dem folgenden Bild gerade fertig als wir ankamen. Ich wollte den Baum und das lustige Straßenschild aber nicht für mich behalten. (Keine Ahnung was die Oma von dem Kind will... ;-D)
Am nächsten Tag ging es dann auf zur International Residence und meiner neuen Unterkunft für die nächsten Monate. Es war ein sehr eigenartiges Gefühl mit Caro den letzten rettenden Anker zur mir bekannten und vorallem sprachlich erschlossenen Welt zu verabschieden. 
Das erste größere Problem, dass sich für mich ergeben sollte war das Fehlen sämtlichen Bettzeugs. Weder Decke noch Kissen oder gar Bezüge waren in erreichbarer Nähe. Ich musste daher kurzentschlossen die erste Nacht mit meiner Regenjacke als Decke vorlieb nehmen. Der sehr zuvorkommende Nachtwächter versprach aber mich am nächsten Tag gern zu einem Bettenladen zu fahren. Um 19:00 Uhr des nächsten Tages machte ich mich also mit einem pensionierten Yamaha-Musikinstrumente Verkäufer in seinem Hybrid-Toyota auf ins Bettenhaus. Miyawaki-san war, wie er mir in gebrochenem Englisch berichtete viele Jahre in den USA unterwegs gewesen um Pianos zu verkaufen. Gleichzeitig war er selbstverständlich ein großer Musikliebhaber, was sofort einen Draht ermöglichte. Neben dem netten Portier hatte ich in den letzten Tagen vorallem Unterstützung von Mitz, dem ich ein tolles japanisches Fahrrad verdanke und Yuriko meiner Tutorin. Yuriko ist sowohl meine Anprechperson als auch sozusagen für mich verantwortlich, weshalb sie dankenswerter Weise sämtlicher Behördenkram mit mir geklärt hat. Unter anderem habe ich durch ihre Hilfe einen neuen Hauptwohnsitz, einen Internetanschluss und (für Japaner äußerst bedeutend) meinen eigenen Namensstempel der auch als Unterschrift fungiert. Nach all den Verwaltungssachen waren wir dann noch einen "Kokkowa" im Hamamatsu`s bekanntestem Coffeeshop trinken.
Zur Zeit prasseln sehr viele Eindrücke auf mich ein und nur einen Bruchteil der Anekdoten kann ich hier überhaupt annähernd erzählen. Sicher könnte ich noch seitenweise über meine neue Arbeitsgruppe und all die neuen Personen in meinem Umfeld berichten. Ich denke jedoch dass nichts dies besser ausdrücken könnte als das folgende Bild:


Heiko