Montag, 26. November 2012

Goldener Herbst - Fernost

Nach einem knappen Monat melde ich mich mal wieder ausführlich aus Hamamatsu. Wobei das "Ausführlich" nicht das wiederspiegelt was ich gerne erzählen können würde. Ich habe seit einigen Tage darüber nachgedacht wie ich die letzten Wochen hier zusammenfassen soll, bin aber auf keine schlüssige Möglichkeit gestoßen die all die Eindrücke ausführlich beschreiben würde.

Die Dinge die mich hier am meisten beeindrucken oder bewegen sind zwar auch die Beobachtungen und die Sehenswürdigkeiten, viel mehr jedoch die kleinen, scheinbar alltäglichen und nicht erklärbaren Begebenheiten. Die Art hier zu Leben und den Tagesrhythmus zu gestalten ist einfach sehr neu und interessant für mich. Dabei gibt es viele Anknüpfungpunkte zwischen der japanischen und der deutschen Kultur. Die Beobachtung von Wesens- und Charakterzügen ist für mich umso interessanter, desto mehr ich deutliche Unterschiede oder eben Parallelitäten erkenne.
Japaner schätzen Pünktlichkeit, Höflichkeit und Qualität in einem sehr hohen Maß. Ich hatte von mir früher nicht den Eindruck besonders pünktlich oder gar ordnungsliebend zu sein. Dennoch scheinen mich gerade diese Eigenschaften mit den Einheimischen zu verbinden.

Meine kleine Erzählung der letzten Wochen möchte ich gern am sonnigen 09. November (Freitag) beginnen, an welchem ich mit meiner Laborgruppe nachmittags die letzten Vorbereitungen für ein lange angekündigtes Fest traf. Das "Techno-Festa" (für Technologie-fest) ist das einmal im Jahr stattfindende Universitätsfest der Shizuoka-University. Es wird über zwei Wochenenden an den beiden Hauptstandorten "Shizuoka-Campus" und "Hamamatsu-Campus" gefeiert und mit einem unbeschreiblichen Aufwand von Seiten aller Studierender vorbereitet.
Unsere Labor-Gruppe hatte sich bereits einige Monate im Vorraus darauf geeinigt einen Hotdog-Stand aufzubauen. Diese Entscheidung bedeutete auch, dass wir zwei Wochen vorher damit begannen Soßen, Brötchen und Würstchen auszutesten -> denn was wäre Blamabler als ein schlechter Geschmack oder gar schlechte Qualität des Brötchens. An besagtem Freitag machten wir uns dann gemeinsam im kleinen japanischen Auto auf, um alle vorbestellten Utensilien einzukaufen.
Ebenso sonnig wie der Freitag wurde dann glücklicher Weise auch der Samstag. Neben zahlreichen Verköstigungsständen gab es auch eine Präsentation der aktuellen Forschungsschwerpunkte jeder Abteilung, zahlreiche Vorführungen (unter anderem Karate (siehe Bild)) und einige Maskottchen zu sehen. Und: Überraschung!... Es fehlte natürlich nicht an skurrilen Figuren. Eine recht normale unter Diesen ist wohl noch das Maskottchen der Hochschule, in dessen Kostüm übrigens ein hochdekorierter Professor steckt. Schon etwas gewöhnungsbedürftiger ist wohl der nette Zeitgenosse in der Mini-Mausverkleidung. Dieses Foto möchte ich dennoch nicht vorenthalten, weil ich (bin ganz stolz...) damit den Festival-Fotowettbewerb gewonnen habe. Mein üppiger Siegpreis war übrigens eine 30x40cm Pinnwand... meine Teilnahme also eher für die Lorbeeren. An meiner Seite übrigens zwei sehr nette Japaner die mir kurzer Hand das Festivalgelände erklärten.
Nach meinem Rundgang half ich dann eifrig beim Würstchenverkauf, welcher wohl auch durch mein "exotisches" Erscheinungbild aufblühte. Meine Gruppenkollegen  nutzen die Möglichkeit jedem Näherkommenden ein Gratisfoto mit dem "Ausländer" anzubieten, wenn er einen Hotdog kauft... Im Sinne der Gruppe wurden dann in 2-3Stunden ca. 50 Fotos geschossen.
Neben den aktuell im Labor arbeitenden Leuten waren auch einige Ehemalige gekommen, welche mit uns nach dem offiziellen Ende des Festes noch in ein typisch japanisches Restaurant gingen um den Abend in gemütlicher Runde ausklingen zu lassen. Davon gibts aber leider keine Fotos, weil es mit Kamera schließlich nicht so gemütlich gewesen wäre. Dafür aber hier nocheinmal das ganze Hotdog-Team:
Die T-Shirts wurden übrigens extra einzeln angefertigt...

Am Wochenende darauf machte ich mich dann mit meinem neuen Lieblingstransportmittel auf Richtung Osten. In Shizuoka war ein schönes Wochenende mit Caro geplant, welches sich jedoch, was die Sehenswürdigkeiten angeht, dem Wetter geschuldet auf Sonntag beschränkte. Dafür haben wir zumindest während es regnete schön japanisch gespeist (wie in Caros-Blog eingehend beschrieben LINK). Am Sonntag stand dann dafür umso mehr auf dem Programm. Zunächst besuchten wir einen japanischen Garten. Diese kleinen Wunderwerke des Gartenbaus werden meist in 1-5 Jahren Vorbereitungszeit angelegt und sind nicht nur in der Güte des Rasens einem englischen Garten mehr als ebenbürtig.
Jeder Stein, jeder Strauch, jeder Busch und jeder Baum haben hier nicht nur einen eindeutig definierten Platz sondern auch eine entsprechende Form und Färbung. Es scheint sogar etwas eigenartig, dass die Japaner den Fischen keine Leine umgebunden und einen Schwimmkurs vorgegeben haben. Ob diese Form der Landschaftsgestaltung mit natürlicher Schönheit viel zu tun hat bleibt dahin gestellt,... eine Augenweide ist es jedoch alle mal. Das für mich eigentlich überraschende war, das dieses bis in den Zentimeter geplante Areal dennoch niemals langweilig oder vorhersehbar erschien sondern aus jedem Winkel neue Eindrücke und Ansichten präsentierte. Ein paar dieser Ansichten will ich nicht vorenthalten:
An der linken Bildhälfte ist die Terrasse eines kleinen Teehauses zu erkennen, in welchem wir auch einen Tee getrunken haben. Eine richtige Teezeremonie war dies nicht (die hätte wohl Stunden gedauert), dennoch waren die ersten 4 Minuten, bis eine japanische Familie mit Kleinkind Platz nahm sehr erholsam.
Immer wieder wenn ich das Gefühl habe nun einen kleinen Einblick in die Kultur und ein Verständnis für den Geschmack oder das Stilempfinden von Japanern bekommen zu haben reißt die ein oder andere alltägliche Situation dies wieder völlig ein. Beispielweise wäre der (extra freigehaltene) Ausblick auf ein Hochhaus in Deutschland wohl eher ein Nachteil des Gartens gewesen. Hier jedoch weist der freundliche englischsprachige Gartenführer im Kopfhörer extra darauf hin die Verbindung zwischen alten Traditionen und Moderne zu beachten.
Keine Überraschung mehr, dafür noch immer mit ihrer Größe und Anzahl beeindruckend: Japanische Kois.
Anschließend an die Gartenerkundung, fuhren Caro und ich mit dem Regionalbus auf einen kleinen Berg, ganz in der Nähe von Shizuoka. Von Kuno-Yama ist es bei gutem Wetter möglich den Fuji-yama, also den Fuji-Berg zu sehen. Zunächst hielt sich der Fuji jedoch hinter den Wolken versteckt. Die Sicht war dennoch sagenhaft. Im Vordergrund des nächsten Bildes ist übrigens eine typische Plantage für grünen Tee zu sehen, welche die Landschaft um Shizuoka prägen. Im Hintergrund liegt Shimizu und die Suruga-Bucht.
Das Wetter nach dem so feuchten Samstag war herrlich für einen Herbsttag. Mensch und Tier konnten sich sichtlich nichts schöneres wünschen.
Wir genossen also die Zeit ausgiebig und wurden über das Fehlen der Hauptattraktion durch einige andere schöne Ansichten entschädigt.
Oliver Kahn würde sagen: "Da is das Ding"
Und das Warten hatte sich auch tatsächlich gelohnt, denn eine Stunde später war dann ein bisschen Sicht möglich, aus der ich versucht habe das fotografisch maximale herauszuholen.
Für den Abstieg vom Berg wählten wir dann die Südseite auf welcher sich auch ein (vor allem in Japan bekannter) Schrein befindet.

Kunōzan Tōshō-gū Schrein (Quelle: C.Heere)
Interessant fand ich vor allem die kunstvollen Tür-Plastiken (Ich freue mich, wenn mir jemand sagt, wie das richtig heißt). Und auch meine hübsche Begleitung war sichtlich angetan. Der Schrein war auf einem kleinen Ausläufer des Berges errichtet worden und lag eingebettet in die unberührte Natur.

Anschließend nahmen wir dann den Abstieg über die große Haupttreppe des Schreins, die über 1160 Stufen bis zum Pazifischen Ozean führte. Dieser hatte hohen Wellengang und bot ein tolles Schauspiel an den Wellenbrechern. Als Größenvergleich bietet sich übrigens der LKW vorn im Bild an. Die schmale Ufergegend zwischen dem Bergmassiv und der Wasserlinie ist bekannt für ihre Erdbeerplantagen, welche von Januar bis Mitte Mai zum verweilen einladen. Dass zur Zeit keine Erbeersaison ist hielt die Japaner übrigens nicht zurück uns dennoch gefrieregetrocknete Früchte umhüllt von weißer Schokolade anzubieten... (Und auch uns hielt das nicht zurück das Angebot anzunehmen und uns die eigenartige Süßigkeit schmecken zu lassen).
Nachdem wir bei einem schönen Sonnenuntergang am Strand langsam wieder Richtung Shizuoka geschlendert waren, besuchten wir dann das Universitätsfest in Shizuoka, welches wie beschrieben eine Woche nach dem in Hamamatsu stattfand... Womit ich wohl einer der Wenigen war, die auf beiden Festen der Uni waren.
Am letzten Freitag war in Japan ein großer Feiertag (vergleichbar mit dem deutschen Erntedankfest), weshalb die Uni geschlossen war.
Das bot die Möglichkeit am Donnerstag Abend etwas mit der Laborgruppe zu unternehmen. Kurzentschlossen kochten wir Takoyaki (bedeutet heißer Tintenfisch). Eine wirklich sehr leckere Angelegenheit. Ich muss zugeben, dass ich, nachdem ich den Inhalt des Einkaufskorbes begutachtet hatte (vorallem den Teil links unten) zunächst mit dem Gedanken gespielt hatte doch früh nach Hause zu gehen. Ich blieb jedoch und freute mich auch bereits beim ersten Bissen darüber. Denn: Glücklicher Weise schmeckt dieses Gericht ganz und garnicht so wie es aussieht... Ich werde wohl noch öfter in die Verlegenheit kommen Takoyaki bestellen zu können und werde das nun auch mit Begeisterung tun, denn es war wirklich sehr schmackhaft.
Das verlängerte Wochenende nutzte ich dann vorallem zum Ausspannen und die Seele baumeln lassen. Auf meiner Fahrradfahrt zum Strand stieß ich auf einen sehr eigenartigen Schiffsberg, der wohl nicht von Menschenhand so gebaut wurde.
Es ist sehr Ungewöhnlich welche große Rolle die Natur hier spielt. Alles scheint mächtiger und kraftvoller. Nicht nur dass in Japan durchschnittlich 4 mal soviel Wasser vom Himmel fällt, wie in Deutschland (es regnet aber nicht häufiger sondern einfach mehr...), auch der Wind ist sehr kräftig und unnachgiebig. Gleichzeitig passen sich sie Bewohner an. Die Menschen nutzen extrem hartnäckige Regenschirme und die Vögel sind mit einer sehr lauten und durchdringenden Stimme ausgestattet. Man kann von keinem Singen aus dem Bäumen sondern eher von einem lauten Gekreisch sprechen.
Ich bin mir noch nicht sicher ob ich in den nächsten Wochen so rasch wieder schreibe, weshalb ich hier schonmal ein ruhiges Weihnachtsfest wünsche. Das fehlt mir übrigens schon jetzt. Ich bin kein übermäßiger Weihnachtsträumer, doch die Japaner haben tatsächlich überhaupt keinen Sinn für Besinnlichkeit in den dunklen Tagen (oder ich habe ihn noch nicht entdeckt). Ich verabschiede mich mit einem Bild von einer Lichteraustellung, die ich gestern besuchte... ein kleiner ruhiger Fleck im großen Gewusel und Gewimmel.


Dienstag, 30. Oktober 2012

Zwei Wochen Japan - zu zweit, in der Gruppe und allein

Nachdem in Deutschland sicher auch die Nachtschwärmer zu Bett gehen sitze ich hier bei strahlendem Sonnenschein an einem lauen Dienstag Morgen und bin mir bewusst dass es mir nicht gelingen wird all die interessanten und bewegenden Eindrücke zu erwähnen die ich in den letzten beiden Wochen gesammelt habe. Nachdem meine Arbeitswoche mit einem tollen Frisbee-match beendet wurde brach ich an meinem ersten freien Wochenende in Japan gleich nach Tokyo auf. Meine liebe Caro hatte Geburtstag und diesen wollte ich natürlich gemeinsam mit ihr feiern.
Da wir uns erst am Abend in Tokyo verabredet hatten verbrachte ich meinen Samstag mit einer gemütlichen Zugfahrt durch die japanische Provinz.

Das Fahren mit dem Bummelzug ist nicht nur wesentlich billiger sondern man bekommt auch wunderbare Ansichten der Landschaft kostenlos dazu. In Japan sind das vor allem Reisfelder, Teeplantagen, Berge und Hinterhöfe durch die sich der zug schlängelt. Leider war es nicht so gemütlich wie geplant und die Einsparung von 50% gegenüber dem Shinkasen machte die vierfache Fahrzeit schnell wieder zunichte. Dafür hatte ich die unbezahlbare Gelegenheit die Gelassenheit von japanischen Zugreisenden kennenzulernen. Von Schuljungs, die wagenübergreifend versuchten
Klassenkameradinnen ihre Muskeln zu präsentieren bis zu einem älteren Ehepaar welches sich in mehr als zwei Stunden gegenseitig Fusseln aus den Sachen suchte.
In Tokyo angekommen verspürte ich riesigen Hunger, weshalb ich Caro kurzerhand in den hiesigen Freshness-Burger zum Abendessen einlud.
- ein teures, wenngleich wohlschmeckendes Vergnügen-
Wir beendeten den Abend dann mit einem Abendspaziergang durch Asakusa.

  Am nächsten Tag sollte es in den Zoo gehen. Vorher bummelten wir jedoch durch die Stadt und sahen neben Japanerinnen die sich auf Halloween vorbereiteten unter anderem die Geburtsstätte des Judo und (hier leicht aufzufinden) japanische Kabelkunst.
Garten vor dem Haus von Kodokan-Judo
Höhepunkt des Vormittages bildetete ein Besuch auf dem "Ameyayokocho". Dieser Name bezeichnet den Markt bzw. die Händlerstrasse von Ueno. Und dem Klischee entsprechend gab es dort wirklich alles. Von verschiedensten Meeresbewohnern (lebendig und tot) über dutzende Algensorten und kleine bis große Pilze bis hin zu exotischen Gewürzen und Bekleidung. Leider ließen sich der ungeheure Lärm auf dieser Strasse, welchen die Verkäufer durch ihre Anpreisungen erzeugen und der teilweise betäubende Geruch nicht auf ein Foto bannen.
Wer mehr über diese Erfahrung sehen möchte kann sich aber gern bei mir persöhnlich nach dem aufgenommenen Video erkundigen ;-)
Am Nachmittag fanden wir dann im Ueno-Park den in Japan sehr bekannten Zoo der Stadt, welcher vorallem durch seine Pandas weltberühmt ist. Daher war es auch überall möglich sich mit den Pandas fotographieren zu lassen. In unserem Fall hatten wir Glück das nicht nur das Wetter perfekt war sondern dass die Japaner auch bereit sind jedes "Könnten sie mal bitte den Fotoapparat halten?" dass sie in Europa gestikluieren in gleicher Münze in Japan zurückzugeben.

Blick über den Stadtpark auf das Zentrum von Ueno, Tokyo
 Am Abend besichtigen wir dann dann die Tempelanlage von Asakusa, welche ein absolutes Muss auch auf dem kürzesten Japanaufenthalt darstellt und zusätzlich dazu auch als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. Bilder sagen mehr als Worte:
Strasse vom Tor zum Tempel

Eingangstor des Tempels, der auch für seine großen Lampione bekannt ist

 Zurück in Hamamatsu erwartete mich in der nächsten Woche der Besuch einer Optoelektronikmesse. Aber keine Angst: Ich werde jetzt nicht fachlich sondern zeige lieber unsere Vorbereitung auf dieses Treffen.

Zunächst ein gutes japanisches Cafeteria-Essen: Ramen-Nudeln (links, ja die isst man auch mit Stäbchen), ein "balanced lunch" (Mitte) vor dem bereits Masahiro platzgenommen hat und ein "american food" (rechts).


Ich hatte mich natürlich schön rausgputzt für die Messe, nichts ahnend, dass Mitz vor hatte
mich auf seinem Geschoss in die Stadt zu bringen.
(An dieser Stelle schöne Grüße an Martin - ich habe von der Schwalbe gehört...)
Es war eine rasante und abenteuerliche Fahrt die mir aber viel Freude bereitet hat.
 Selbstverständlich konnte kaum einer der Japaner auf der Messe mehr Englisch als ein gebrochenes "Hello", weshalb mir nach einem Rundgang (der visuell sehr interessant war) schnell langweilig wurde. Aber scheinbar war ich nicht der Einzige der sich freute als es Punkt-Siebzehn-Uhr eine Durchsage gab, dass die Ausstellung für diesem Tag nun beendet sei. Mitz war kaum zu bremsen... der Arme musste dann am nächsten Tag nochmal 8 Stunden die Austellung unseres Labors betreuen und war sichtlich fertig.

Nachdem ich im Rest der Woche noch einige Experminte starten konnte und mir mehrere Vorträge (zum Teil komplett japanisch) angehört hatte, gings dann am Samsatg Abend in die Stadt. Halloween war nun auch in Hamamatsu angekommen, was der hiesigen Bauchtanzgruppe die Möglichkeit gab ihr Talent zur schau zu stellen. Da man die drei leicht vernachlässigen könnte, möchte ich ausdrücklich auf die Musiker links hinweisen, die eine sehr gute Show machten und eigenartiger Weise alle drei wie Johnny Depp aussahen.
Anschließend gings mit Angga (ein sehr
netter Indonesier), seiner japansichen Freundinn und Nate, ebenfalls Japaner in die "No name bar" - dem internationalen Treff von Hamamatsu zum Umtrunk.
Um den Fragen vorzubeugen: Ja, Nate hat Katzenohren auf... Halloween...

Eines der berühmtesten Kostüme ist in Japan selbstverständlich King Kong. Aber auch nicht so selbstverständliche Akteure traten auf den Plan. So waren da beispeilweise ein Graf Drakula, Elvis, Alice im Wunderland und (letztes Jahr noch ein wenig makaber) ein lupenreiner Steve Jobs zu sehen.

Nach dieser ereignissreichen Zeit habe ich das Wochenende ruhig ausklingen lassen. Mit den Bildern vom Hamamatsu-Strand und den (in Japan berühmten) Dünen möchte ich auch meinen Blog ausklingen lassen.
Sicher werde ich nocheinmal zum Strand zurückkehren und nicht allein sein, denn der Sonnenuntergang war wunderschön und die Überlegung dass vom diesem Punkt aus eine halbe Erdumdrehung nur Wasser kommt, bis man wieder Land sieht war sehr ergreifend. Dieser Abend am Pazifik hat mir sehr gefallen und ich habe mir fest vorgenommen mir das Wasser nocheinmal von der anderen Seite aus anzusehen. Bis bald.
Der Pazifik. Er war tatsächlich blau.
Surfen im Sonnenuntergang











Donnerstag, 18. Oktober 2012

Gehen und Ankommen

Ich bin nun fast eine gesamte Woche in Japan und möchte ein paar Zeilen schreiben.

Ich bin mehr und mehr beeindruckt von dem hohen Maß an Höflichkeit, Disziplin und dem Streben nach Perfektion dass viele Japaner um mich herum leitet. Dieses Land nimmt sehr schnell den Anspruch auf Leitung all seiner Bewohner war und zieht auch mich somit in seinen Bann.

Nach einem nicht durchgängig störungsfreien aber doch sehr komfortablen Flug kam ich am 13.10 gegen 18:30 Uhr abends in Tokio an. Die Sonne war bereits untergegangen und mir fiel vorrangig die gegenüber den anderen Ländern über die ich bei Nacht geflogen war, vorherrschende Dunkelheit auf. Während die Städte in den islamischen Gebieten die ich überflogen und in denen ich gelandet war, Helligkeit und Geschäftigkeit ausstrahlten vermittelte Japan eine gleichmäßige Ruhe.
Dieser Eindruck wurde jedoch nach der Landung rasch zerstreut. Ich hatte meine Einreiseerlaubnis dummerweise in Deutschland vergessen, weshalb ich sofort die übergreifende Macht der japanischen Verwaltung erfuhr. Nach nur einem kurzen Telefonat und einer galanten Handbewegung der Kontrolleurin wanderte ich mit meinem Koffer bereits in Richtung Verhörraum. Zum Glück lagen alle Dokumente auch noch einmal in digitaler Form bei den jap. Behörden vor weshalb ich nach einer halben Stunde  bereits in die Ankunftshalle entlassen wurde, in der Caro dankenswerter Weise auf mich wartete.
Ich möchte mich hier ausdrücklich bei ihr bedanken! Ohne ihre umfangreiche Sprachkenntnis und Hilfestellung hätte ich die ersten beiden Tage sicherlich wesentlich schlechter gemeistert. Nach einer kurzer Zeit saßen wir dann auch
schon im nächsten stolzen Verkehrsmittel dieser Reise. Ein Shinkansen der Hikari-Linie der die 230 km mit 7 Zwischenhalten in gerade einmal 2 Stunden meisterte und dabei auf die Sekunde exakt fuhr.

Hier folgt der Werbeblock:
Schaut doch einfach auch mal auf Caros-Blog vorbei!
http://sakura-caro.blogspot.de/


Durch die Anreise am Samstag stand der Sonntag vollständig zur Orientierung und zum Kennenlernen der Stadt zur Verfügung. In Hamamatsu fand gerade ein Musikfestival statt. Die auftretenden regionalen Künstler waren sehr beeindruckend. Ob als Elvis, Folklore-Gitarrist, Gospel-Chor oder Country-Cover... die Japaner sind absolute Musikliebhaber. Leider war die Band auf dem folgenden Bild gerade fertig als wir ankamen. Ich wollte den Baum und das lustige Straßenschild aber nicht für mich behalten. (Keine Ahnung was die Oma von dem Kind will... ;-D)
Am nächsten Tag ging es dann auf zur International Residence und meiner neuen Unterkunft für die nächsten Monate. Es war ein sehr eigenartiges Gefühl mit Caro den letzten rettenden Anker zur mir bekannten und vorallem sprachlich erschlossenen Welt zu verabschieden. 
Das erste größere Problem, dass sich für mich ergeben sollte war das Fehlen sämtlichen Bettzeugs. Weder Decke noch Kissen oder gar Bezüge waren in erreichbarer Nähe. Ich musste daher kurzentschlossen die erste Nacht mit meiner Regenjacke als Decke vorlieb nehmen. Der sehr zuvorkommende Nachtwächter versprach aber mich am nächsten Tag gern zu einem Bettenladen zu fahren. Um 19:00 Uhr des nächsten Tages machte ich mich also mit einem pensionierten Yamaha-Musikinstrumente Verkäufer in seinem Hybrid-Toyota auf ins Bettenhaus. Miyawaki-san war, wie er mir in gebrochenem Englisch berichtete viele Jahre in den USA unterwegs gewesen um Pianos zu verkaufen. Gleichzeitig war er selbstverständlich ein großer Musikliebhaber, was sofort einen Draht ermöglichte. Neben dem netten Portier hatte ich in den letzten Tagen vorallem Unterstützung von Mitz, dem ich ein tolles japanisches Fahrrad verdanke und Yuriko meiner Tutorin. Yuriko ist sowohl meine Anprechperson als auch sozusagen für mich verantwortlich, weshalb sie dankenswerter Weise sämtlicher Behördenkram mit mir geklärt hat. Unter anderem habe ich durch ihre Hilfe einen neuen Hauptwohnsitz, einen Internetanschluss und (für Japaner äußerst bedeutend) meinen eigenen Namensstempel der auch als Unterschrift fungiert. Nach all den Verwaltungssachen waren wir dann noch einen "Kokkowa" im Hamamatsu`s bekanntestem Coffeeshop trinken.
Zur Zeit prasseln sehr viele Eindrücke auf mich ein und nur einen Bruchteil der Anekdoten kann ich hier überhaupt annähernd erzählen. Sicher könnte ich noch seitenweise über meine neue Arbeitsgruppe und all die neuen Personen in meinem Umfeld berichten. Ich denke jedoch dass nichts dies besser ausdrücken könnte als das folgende Bild:


Heiko