Ich bin mehr und mehr beeindruckt von dem hohen Maß an Höflichkeit, Disziplin und dem Streben nach Perfektion dass viele Japaner um mich herum leitet. Dieses Land nimmt sehr schnell den Anspruch auf Leitung all seiner Bewohner war und zieht auch mich somit in seinen Bann.
Nach einem nicht durchgängig störungsfreien aber doch sehr komfortablen Flug kam ich am 13.10 gegen 18:30 Uhr abends in Tokio an. Die Sonne war bereits untergegangen und mir fiel vorrangig die gegenüber den anderen Ländern über die ich bei Nacht geflogen war, vorherrschende Dunkelheit auf. Während die Städte in den islamischen Gebieten die ich überflogen und in denen ich gelandet war, Helligkeit und Geschäftigkeit ausstrahlten vermittelte Japan eine gleichmäßige Ruhe.
Dieser Eindruck wurde jedoch nach der Landung rasch zerstreut. Ich hatte meine Einreiseerlaubnis dummerweise in Deutschland vergessen, weshalb ich sofort die übergreifende Macht der japanischen Verwaltung erfuhr. Nach nur einem kurzen Telefonat und einer galanten Handbewegung der Kontrolleurin wanderte ich mit meinem Koffer bereits in Richtung Verhörraum. Zum Glück lagen alle Dokumente auch noch einmal in digitaler Form bei den jap. Behörden vor weshalb ich nach einer halben Stunde bereits in die Ankunftshalle entlassen wurde, in der Caro dankenswerter Weise auf mich wartete.
Ich möchte mich hier ausdrücklich bei ihr bedanken! Ohne ihre umfangreiche Sprachkenntnis und Hilfestellung hätte ich die ersten beiden Tage sicherlich wesentlich schlechter gemeistert. Nach einer kurzer Zeit saßen wir dann auch
schon im nächsten stolzen Verkehrsmittel dieser Reise. Ein Shinkansen der Hikari-Linie der die 230 km mit 7 Zwischenhalten in gerade einmal 2 Stunden meisterte und dabei auf die Sekunde exakt fuhr.Hier folgt der Werbeblock:
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http://sakura-caro.blogspot.de/
Durch die Anreise am Samstag stand der Sonntag vollständig zur Orientierung und zum Kennenlernen der Stadt zur Verfügung. In Hamamatsu fand gerade ein Musikfestival statt. Die auftretenden regionalen Künstler waren sehr beeindruckend. Ob als Elvis, Folklore-Gitarrist, Gospel-Chor oder Country-Cover... die Japaner sind absolute Musikliebhaber. Leider war die Band auf dem folgenden Bild gerade fertig als wir ankamen. Ich wollte den Baum und das lustige Straßenschild aber nicht für mich behalten. (Keine Ahnung was die Oma von dem Kind will... ;-D)
Am nächsten Tag ging es dann auf zur International Residence und meiner neuen Unterkunft für die nächsten Monate. Es war ein sehr eigenartiges Gefühl mit Caro den letzten rettenden Anker zur mir bekannten und vorallem sprachlich erschlossenen Welt zu verabschieden.
Das erste größere Problem, dass sich für mich ergeben sollte war das Fehlen sämtlichen Bettzeugs. Weder Decke noch Kissen oder gar Bezüge waren in erreichbarer Nähe. Ich musste daher kurzentschlossen die erste Nacht mit meiner Regenjacke als Decke vorlieb nehmen. Der sehr zuvorkommende Nachtwächter versprach aber mich am nächsten Tag gern zu einem Bettenladen zu fahren. Um 19:00 Uhr des nächsten Tages machte ich mich also mit einem pensionierten Yamaha-Musikinstrumente Verkäufer in seinem Hybrid-Toyota auf ins Bettenhaus. Miyawaki-san war, wie er mir in gebrochenem Englisch berichtete viele Jahre in den USA unterwegs gewesen um Pianos zu verkaufen. Gleichzeitig war er selbstverständlich ein großer Musikliebhaber, was sofort einen Draht ermöglichte. Neben dem netten Portier hatte ich in den letzten Tagen vorallem Unterstützung von Mitz, dem ich ein tolles japanisches Fahrrad verdanke und Yuriko meiner Tutorin. Yuriko ist sowohl meine Anprechperson als auch sozusagen für mich verantwortlich, weshalb sie dankenswerter Weise sämtlicher Behördenkram mit mir geklärt hat. Unter anderem habe ich durch ihre Hilfe einen neuen Hauptwohnsitz, einen Internetanschluss und (für Japaner äußerst bedeutend) meinen eigenen Namensstempel der auch als Unterschrift fungiert. Nach all den Verwaltungssachen waren wir dann noch einen "Kokkowa" im Hamamatsu`s bekanntestem Coffeeshop trinken.
Zur Zeit prasseln sehr viele Eindrücke auf mich ein und nur einen Bruchteil der Anekdoten kann ich hier überhaupt annähernd erzählen. Sicher könnte ich noch seitenweise über meine neue Arbeitsgruppe und all die neuen Personen in meinem Umfeld berichten. Ich denke jedoch dass nichts dies besser ausdrücken könnte als das folgende Bild:
Heiko



